PREISE

Du willst dich tätowieren lassen, also musst du diese Dienstleistung/ Kunst auch bezahlen. Logisch...

 

Aber warum kostet es, was es kostet? Warum gibt es bei gleicher Größe des Tattoos Unterschiede im Preis und warum sind manche Tätowierer generell teurer als andere?

Es wird hier keine Preisauflistung geben, oder Richtlinien, an denen man Vergleiche ziehen könnte. Es gibt auch keine Faustregel wieviel ein Tattoo 7x7 cm kostet. Der Sinn dieses Artikels liegt eher darin, für ein prinzipielles Verständnis für das Finanzielle hinter der Dienstleistung, oder der Kunst, zu sorgen und zu erklären, warum es keine Faustregel gibt und die Frage "Was kostet ein Tattoo?" oft nur zu einem Grinsen beim Gebenüber führt.

 

Warum kostet es, was es kostet und was tut der Tätowierer dafür?

Hier im ersten Teil lasse ich erst einmal die Definition Kunst/Dienstleistung außer Acht und versuche zu verdeutlichen, wieviel an Arbeit hinter einem Tattoo steckt und was die versteckten Arbeitszeiten und Leistungen ausmacht.

Lässt du dir ein Tattoo stechen und der Tätowierer nennt dir den Betrag X... angenommen er braucht letztendlich eine Stunde um das Tattoo fertig zu stellen... Oft hört er dann den Satz "Man, du hast es gut, du hast einen Stundenlohn von X ..."

Stimmt das? Natürlich nicht.

Lösen wir die Milchmädchenrechnung mal auf. Zum Einen bekommt der Tätowierer wie ein Kaufmann den Betrag X in seine Kasse. Aber wie der Kaufmann muss er auch die Einkaufspreise seines Materials bezahlen, die Ladenmiete, Steuern abführen und gegebenenfalls auch Angestellte entlohnen. Sprich die Rechnung gezahlter Betrag durch Zahl der Arbeitsstunden gleich Stundenlohn ist schon einmal falsch. Wenn ihr denkt, dass das logischt ist, dann fragt mal einen Tätowierer, wie oft er schon die oben genannte Vermutung über seinen Stundenlohn gehört hat... Noch nicht mal in der Rechnung sind Dinge wie Fortbildungen, fachliches Recherchieren und übendes Zeichnen. Ein Tätowierer sein bedeutet für viele das Tätowieren leben. Aber ist die Zeit, die du mit dem Tätowierer verbringst, auch die Zeit, die er in ein Tattoo investiert?  Nein, denn sowohl Vorbereitung als auch Nachbereitung des Arbeitsvorgangs nehmen eine nicht unwesentliche Zeit in Anspruch.

Viele Tätowierer arbeiten heute "Custom", das heißt, sie entwerfen das Motiv individuell für den Kunden. Das dies auch Zeit in Anspruch nimmt, scheint wieder logisch, aber viele Kunden sehen das nicht als Arbeitszeit. Auch wenn er das Motiv direkt Frei Hand auf die Haut aufzeichnet, was gerade bei großen Motiven der Passform auf dem Körper zugute kommt - ist das schon Arbeitszeit, die demTätowierer Zeit abverlangt.

 

Warum sind Tattoos gleicher Größe oftmals unterschiedlich teuer?

Hier gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Zum einen können zwei Tattoos bei gleicher Größe sehr unterschiedlich lange in der Herstellung gedauert haben. Ein Tribal von der Größe einer CD-Hülle ist im Vergleich mit einem Portrait oder einem Mandala schnell gemacht.

Auch werden Tattoos, die eigentlich aus reinem Handwerk, nämlich Linien ziehen und ausfüllen, oftmals weniger kostspielig berechnet, als Tattoos, die dem Tätowierer viel mehr Kunstfertigkeit und vor allem Konzentration abverlangen. Fünf Stunden Tribals ausfüllen schüttelt er locker aus dem Ärmel, fünf Stunden filigraner Arbeit an dem Gesicht deiner Oma kostet viel mehr Konzentration. Und du kaufst bei einer solchen Arbeit auch die Kunstfertigkeit, nicht nur die Fläche tätowierter Haut.

 

Warum sind Tätowierer unterschiedlich teuer?

Neben den regionalen Unterschieden, die die Ladenmiete sehr unterschiedlich hoch machen, gibt es verschiedene Verkaufsstrategien, verschiedene Ansprüche an die eigene Arbeit und große Unterschiede in dem, WAS du bekommst. Das nächste ist die Verkaufsstrategie, oder das, was der Tätowierer gerne und wie oft er es macht. Wenn jemand viel Standardlaufkundschaft mit Chinazeichen bedient, gehen ihm diese schnell von der Hand, er kann mehrere am Tag davon machen und damit einen relativ günstigen Preis anbieten. Ist er aber jemand, der sich lieber Individualkunden zuwendet, verbindet sich damit viel mehr Arbeit, die er auch entlohnt sehen möchte. Hier ist der erste Scheideweg zwischen Dienstleistung und Kunst. Ein heikler Punkt ist die Qualität. Ein Tätowierer, der weiß, dass er technisch sehr hochwertige Arbeit abliefert, kann natürlich auch mehr Geld nehmen, als jemand, der "schnellschnell" macht.

Lustig, wenn Leute mit einem verkackten Teil in einem Studio einlaufen, welches dieses hochwertiger überarbeiten soll, aber nicht bereit sind, dann dafür auch mehr zu zahlen. Ein Fiat Panda und ein Mercedes sind beide unterschiedlich teuer, auch wenn es beides Autos sind. Wobei man nicht vergessen darf, dass, wie in jedem anderen Beruf auch ein aufwendiges Studium, oder eine langjährige Ausbildung erst den Meister zu dem macht, was er ist. Und als solches sollten man diesen auch sehen: Ein Meister seines Fachs, dem man vertrauen kann. Auch das spiegelt sich im Entgeld wieder. Jeder ist bereit, einem guten Anwalt, den die Aussicht auf einen guten Ausgang eines Prozesses zu einem Staranwalt macht, viel mehr Geld zu geben, als einem Winkeladvokaten. Aber bei der Auswahl des Tätowierers wird oft der billigste Weg wichtiger genommen, als der besonders gute Ausgang des Arbeitsprozesses.

Da kommen Kunden in renommierte Studios, eben weil diese einen exzellenten Ruf genießen und sagen: "Aber XXX macht es mir für 100 Euro weniger" Gegenfrage "Warum bist du dann nicht dort?" "Weil ihr besser seid..."

 

Warum gibt es nun noch so richtig teure Tätowierer?

Hierzu kurz etwas Grundsätzliches: Kunst ist eine Sprache, die nicht einfach in Maßeinheiten zu messen ist. Genau wie in der darstellenden Kunst, gibt es auch beim Tätowieren Künstler, die den Betrachter/Träger mehr berühren, als andere. Beim Tätowieren gibt es viele Künstler, die einem Sachen auf den Körper zaubern, die mit dem "normalen" Tätowieren, außer dem handwerklichen Machen, nichts mehr gemeinsam haben. Das geht so weit, dass Kenner diesem Künstler ihre Haut fast vorgabenlos zur Verfügung stellen, weil sie wissen, dass wenn dieser fertig ist, sie ein großes Stück Kunst auf dem Körper haben. Mit diesem Tattoo erwirbt derjenige dann nicht nur ein Bild, welches mittels Nadeln technisch möglichst hochwertig eingebracht wurde, sondern ein Stück dessen, was der Künstler von seinem Innersten, seinen Visionen, der Welt zur Verfügung stellt. Das kann nicht jeder nachvollziehen, nicht jeder versteht, warum so etwas viel mehr Wert haben soll, als ein anderes Tattoo. Sie sehen nur das Tattoo welches ein anderer vielleicht gut abzeichnen könnte, aber eben nicht die individuelle Idee, das Außergewöhnliche, was dann auch gerne kopiert wird. Eine Kopie hat nie den ideellen Wert der Vorlage, selbst wenn sie eins zu eins kopiert wird. (Ein Atkinson ist ein Atkinson, ein Booth ist ein Booth... eine Kopie bleibt eine Kopie...)


Aber wer verstehen kann, was einen großen Künstler ausmacht, außer der handwerklichen Kunstfertigkeit, der wird gerne viel mehr bezahlen. 

 

Galerien Tattoos


Frank (der Chef)


David (good mood Man)


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